Artifizielle Krisen: Die Bürde erlesener Naturen im Angesicht kollektiver Opfergabe

Veröffentlicht am 10. Dezember 2020 um 15:36

Das Bewusstsein von sicherlich nicht wenigen Bürgern des Abendlands wurde von der vom politisch-medialen Apparat induzierten Corona- und Rassismuskrise, die die gesellschaftliche Realität nicht geringfügig abwandelte, aus den Angeln gehoben. Ihr mit den bestehenden Verhältnissen harmonierendes Weltverständnis geriet in dieser Zeit aus den Fugen, nicht aufgrund der Auswirkungen der Krisen selbst, sondern aufgrund der sich gemächlich heraushebenden Irrationalität, die die etablierten öffentlichen Organe scheinbar durchströmte und die Perspektiven der Mitbürger bedenklich prägte. Durch diesen Prozess der Konstituierung der Krise erlangte manch argloser Zeitgenosse einen unbewussten Einblick in die suspekten Organisationsmuster des ihn beherbergenden sozialen Systems.

 

Das vernunftbegabte, philosophisch versierte Individuum, das im Zuge von Corona mit dem Verweis auf empirische Daten und logischen Fehlschlüssen ohne viel Aufhebens die Narrative der etablierten öffentlichen Einrichtungen unterminierte, wurde zügig als unsolidarisch, im schlimmsten Fall als Menschenfeind gebrandmarkt und bewaffnet mit moralischen Leitbildern ins Exil des Inoffiziellen verfrachtet, ergo daran gehindert am offiziellen Diskurs teilzunehmen. Das dysgenische Schema gesellschaftlicher Prozesse lugte dergestalt unter der Abschirmung kultureller Versatzstücke hervor und verweilte temporär im Wahrnehmungsradius der Öffentlichkeit: Das Prinzip der Anpassung an die heteronome, an die programmierte Masse, der Zwang sich die hauptsächlichen Gemeinsamkeiten einzuverleiben, die von einflussreichen Medien und staatlichen Einrichtungen in den soziokulturellen Lebensraum injiziert werden, erlangte Transparenz.

 

Der Mensch aristokratischen Schlags beurkundet sich unter diesen Umständen, indem er von der Tyrannei des kleinsten gemeinsamen Nenners unbeeindruckt bleibt, empirische Gegebenheiten nicht durch die Brille einer für die hegemonialen Kräfte nützlichen Ideologie observiert und sodann sein Tagesgeschäft tapfer im Zeichen der Selbstzensur, Abschottung und Marginalisierung vollzieht. Hingegen reibt sich der eher unbedarfte Zeitgenosse mit immerhin edlen Anlagen angesichts jüngster Entwicklung verwundert die Augen und erschreckt sich über die ihn nun offenbar werdende eskalierende Senkung des kulturellen Niveaus, der kollektiven intellektuellen Verwahrlosung und Unfähigkeit der hegemonialen Institutionen den Menschen Instrumente der Erkenntnistheorie mit auf dem Weg zu geben, die die Wahrheitsfindung und das logische Schließen erleichtert, um bspw. die Narrative des systematischen Rassismus und der Sinnhaftigkeit der Corona-Maßnahmen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Sein warmes Herz hindert ihn zu verstehen, dass es sich hier um ein Muster der Organisation handelt, das im Interesse des Profits, der Macht und der Identität operiert: Die Unterhaltungsindustrie, die Form des Bildungssystems, die Ethik der Arbeit, die politische Korrektheit, die Zweiteilung in Links und Rechts, die Klimahysterie, der Antirassismus, Me Too, Social Justice allgemein, überhaupt die Injektion von Popularitäten in soziokulturelle Lebensräume, möchten sie auch noch so belanglos anmuten, wie bspw. der Konsum von Marijuana oder die Nutzung bestimmter digitaler Medien - all diese Phänomene sind Raquets, die sich, sei es zwecks Entfremdung von der Mitwelt oder zwecks direkter Einschränkungen von Potentialen, gegen Individuen in Mittel- und Unterschicht richten, die, plump formuliert, über ein Mindestmaß an Qualität verfügen. Im Gegensatz zu diesem Typus wird die ordinäre Alltagsseele, die zwangsläufig genügsam und unreflektiert im Fahrwasser des Zeitgeistes schwimmt, die leichter zu steuern und zu kontrollieren ist, innerhalb der Grenzen ihres Handlungsspielraums protegiert und ferner durch die Politisierung sämtlicher Bereiche der Kultur im Zeichen offizieller Moral für die Kultivierung der vorwaltenden Strukturen der Macht instrumentalisiert. Ein Paradebeispiel hierfür konnten wir bei den antirassistischen Agitationen in Amerika bezeugen: die Moral, die keine Intelligenz fordert, als ideales Instrument der Steuerung von primitiven Massen, sodann als ideale Polizei, ob in der Gestalt von Antirassismus, Antiimperialismus, Antifaschismus, Antisexismus, Klimahysterie, Coronawahn, für die Individuen aristokratischen Schlags, die ihre Intelligenz und Mündigkeit nicht einbüßten, ihren physiologisch bedingten Willen zur Macht und Willen zur Wahrheit beibehielten und deshalb eine Gefahr darstellen für die hierarchische Ordnung in ihrer bestehenden Form.

 

Der Vorwand kontextuell wirksamer moralischer Leitbilder, die von der Politik, den Universitäten, der Presse, des industriellen Establishments erwirkt werden, verhindern ihre Anerkennung und Einflussnahme auf offizielle Diskurse und konsolidieren auf diese Weise bestehende Machtverhältnisse. Kein anderes Motiv bedingt die Tönung der moralischen Redlichkeit, mit der bestimmte Personen des öffentlichen Lebens ausgestattet sind: sie ist nie mehr als ein Element einer methodischen Vorführung, die das blauäugige Fußvolk anregen soll ihre eigenen Interessen am Altar eben dieser moralischen Redlichkeit zu opfern. Der vertrauenswürdige und angemessene Anschein des Wissenschaftlers, Lehrers, Politikers, Journalisten, Aktivisten, Entertainers hat die Funktion, ob er sich seiner Rolle bewusst ist oder nicht, über die tatsächliche Beschaffenheit der relevanten Sachlagen hinwegzutäuschen und das Opfer einzufordern. Drosten, Lesch, Scobel, Sebastian Kurz, Jan Böhmermann, Luisa Neubauer, Rezo, um im deutschsprachigen Raum zu bleiben, sie alle sind exemplarische Figuren, die auf der Bühne des Theaters hegemonialer Macht ihren Teil zum Anklang des kafkaesken Stücks beitragen.*

 

Vor diesem Hintergrund mag einleuchten, dass sachliche Diskussion am Leitfaden der Vernunft zwecks Ergründung der bestmöglichsten Bewältigung eines Missstands oder Annäherung der Wahrheit mit funktionalen Rädern im Getriebe der bestehenden Apparatur der Macht sich als sinnlos gestalten. Exemplarisch verdeutlicht wird die Richtigkeit dieser Schlussfolgerung am Beispiel der grotesken Berichterstattungen im Zusammenhang mit den Fällen von vermeintlich rassistischer Polizeigewalt: Das Verfälschen der diesbezüglichen Sachverhalte und Ignorieren entscheidender Fakten erklärt sich nicht hinreichend mit dem bewussten Umgehen der Wahrheit, sondern mit dem Umstand, dass die Wahrheit und Redlichkeit keine relevanten Größen sind für den Erhalt und die Ausweitung von Macht. Keine Information wird von den Abgeordneten des medial-industriellen Komplex an die Bevölkerung vermittelt, bevor nicht sichergestellt ist, dass sie dieses Kriterium erfüllt. Sollte die Folgeleistung jenes Imperativs der eigenen Selbstbehauptung, der die Verfahrensweise eines jeden Organs in unserem sozialen System bestimmt, nun von der Wahrheit nicht behindert werden, so leistet man es sich auch mal sich ihr und entsprechenden Begebenheiten zu widmen - allerdings nicht um ihrer selbst willen! Ob der Journalist einer Presseanstalt, der Professor einer Uni, der Therapeut einer Klinik, der Chef einer Firma, die Freunde, die Familie: nirgends wird nach der Wahrheit getrachtet. Als Prinzip stellt sie eine potentielle Bedrohung für die vom System abhängigen Entitäten, für die Stabilität des Einzelnen und Ganzen dar, und wird deshalb als solches in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens geächtet - wie jene Naturen, die sie repräsentieren. 

 

*Wie der durchwegs klatschende Zuschauer die Pointe am Ende, die ihn als eigentlichen Protagonisten entlarvt, wohl aufnehmen wird?


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