Die Abwahl von Donald Trump: Überflüssigkeit des organisierten Betrugs

Veröffentlicht am 24. November 2020 um 19:45

Der Geist des Missmuts zieht im Nachgang der Präsidentschaftswahl durch nicht wenige Gemächer des klassischen Liberalismus und Konservatismus. Animiert von der episodenhaften Auswertung der Stimmen und Trumps kontextuellen Anschuldigungen scheinen große Teile der in ihnen beheimateten bürgerlichen Mitte auf dem besten Wege endgültig jedes Vertrauen in den etablierten politischen Prozess zu verlieren. Das Misstrauen ihm gegenüber eint die Bewohner mit Trump, den sie ab dem Zeitpunkt als er das Regiment aus Politik, Presse und Universitäten durch seine bloße Präsenz im Vorfeld zu seiner Wahl empörte, als Repräsentant ihrer Interessen honorieren. In seiner Amtszeit kultivierten dieses Verständnis ebenso weniger seine politischen Überzeugungen und folgerichtigen Maßnahmen als die sich kontinuierende öffentlichkeitswirksame Befehdung mit entsprechenden Interessensvertretern hegemonialer Macht, die in der Weigerung das Resultat der Wahl anzuerkennen scheinbar ihren Gipfel erreicht hat.

 

Aus dem Pathos des Widerstands, mit dem sich auch Trump's Widersacher seit seinem Amtsantritt gern ausstatteten, resultierten ideologische Verhärtungen, die sich im Bahn brechen hysterischer Deutungsmuster erkenntlich zeigten und in einer Bewegung wie Qanon ihr Ventil fanden. Wenngleich die Träger entsprechender Gesinnungsformen nur einen eher kleinen Abteil der hinteren Ränge im Theater demokratische Politisierung besetzen, bezeugen sie ihre Unbedarftheit doch stellvertretend für die gesamte aufgeregte Zuschauerschaft: Die objektive Ohnmacht des herkömmlichen Volks im Angesicht eines hoffnungslos korrupten Machtapparats lamentierend, legitimieren sie im gleichen Zug die ihn einbettende Schablone gesellschaftlicher Totalität, indem sie die Notwendigkeit des organisierten Betrugs unterstellen und damit suggerieren sie tauge an sich nicht für das Perpetuieren von Herrschaft. Der effiziente Vollzug von hegemonialen Machtinteressen setzt jedoch kein Umgehen realdemokratischer Legitimationen voraus, sondern, im Gegenteil, deren effiziente Verwertung durch die Beanspruchung der endlosen Ressourcen des Großkapitals. Würden sich die Trump-Enthusiasten bemühen gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren, kämen sie vielleicht zum entsprechenden Bewusstsein, dass sämtliche wirklich gewichtige Entscheidungen unabhängig von den Interessen des Wahlvolks getroffen, und, falls notwendig, von der Mehrheit seiner Mitglieder, denen man die brauchbaren ideologischen Ausrichtungen durch die Steuerung kultureller Prozesse auferlegt, in Akten demokratischer Konvention beglaubigt werden.

 

Die Frage der offiziellen Wählbarkeit von Einwirkungen auf die gesellschaftliche Ordnung entscheidet sich vom Grad der Abweichung zu diesen Interessen. Duellieren sie sich zu gravierend und folglich zu transparent mit ihnen, um an die Masse verkaufbar zu sein: Initiierung von Kriegen, Masseneinwanderung, Wiederholung der Lockdowns, Freihandelsabkommen, um nur anschauliche Beispiele zu nennen, offenbaren sie sich als Motive der Staatsräson, die in münchhausener Manier als Entsprechung des demokratischen Wertesystems präsentiert werden, und stehen unter keinen Umständen zur Wahl. In diesem Sinne gelten im offiziellen Diskurs Positionen als "antidemokratisch" und geraten in den "faschistischen" Geruch, wenn sie sich mit Programmatiken befehden, die dem nationalen Kollektiv zu offenkundig zur Last fallen. Weniger augenscheinliche Rivalitäten mit den Interessen des formalen Souveräns, denen folglich andere Optionen als die rechtlich legitimierte Geiselnahme durch staatliche Gewaltmittel offen stehen, können sich hingegen erlauben ihre Zelte ohne Furcht vor Ahndung auf den Feldern öffentlicher Anteilnahme aufzuschlagen.

 

Die Abwahl von Trump, der wegen seines Außenseitertums im Kontext der Politik und stur anmutenden Eigensinns etablierte Herrschaftsdynamiken latent bedrohte, zugunsten eines mustergültigen Adjutanten für bestehende Machtinteressen, qualifiziert sich nicht nur aufgrund seiner ungeschliffenen Charakterart und unüberlegten Verbalisierungen für eine intransparente Rivalität und konnte demgemäß mit legaler Manipulation durchgesetzt werden. Wozu einen Betrug organisieren, wenn auf das altbewährte Erfolgsrezept der Konditionierung von Einstellungen und Verhaltensweisen zurückgegriffen werden kann? Die Kanalisierung der mentalen Abläufe durch den Komplex aus Instanzen von Presse und Bildung, vermittels welcher sich die Opposition gegen Trump zu einem Akt der Anständigkeit modulierte, die Briefwahl (die immer schon von Bürgern mit linker Mentalität dominiert wurde), zu der man über Monate hindurch nachdrücklich animierte, zu einem der Nächstenliebe und Vernünftigkeit, hievten Joe Biden ins präsidentielle Amt.

 

Der mangelnde Enthusiasmus, der einem politischen Akteur seines opportunistischen Typs, der die Form des Populismus, die auf die intuitiven Wünsche der Massen fußt, systematisch abweisen muss, notwendig assistiert, hätte andernfalls ohne den geringsten Zweifel zur Wiederwahl einer der unbeliebtesten Präsidenten in der Geschichte der vereinigten Staaten geführt. Wohlgemerkt, obwohl der herbeigeführte demographische Wandel in ethnischer Hinsicht, der natürlich ebenso einen Bestandteil des komplexen Systems legaler Manipulation markiert, bereits seine Wirkung zugunsten bestehender Machtstrukturen ausübt. Derart gravierend duelliert sich die von ihm repräsentierte Politik mit den Interessen der regulären Bürger! Nur mit großem Aufwand und dem ungenierten Schöpfen aus dem reichen Arsenal an Varianten der Manipulation konnte man ihre Verkaufbarkeit gewährleisten.

 

Und doch war, auch wenn der entsprechende Prozess ruppig vonstattengegangen sein mag, letztlich auf die gedankliche Heteronomie der Mehrheitsgesellschaft einmal mehr Verlass. Dass daran nie gezweifelt wurde, indiziert Nancy Pelosi's öffentliche Verlautbarung lange vor der Wahl: "Trump will leave the white house, whether he knows it yet or not". Solange sie besteht, also die institutionell vermittelten Narrative massenhaft anerkannt werden und sich ein "wünschenswertes" gesellschaftliches Klima konstituiert, erlauben sich Machtinteressen aus strategischem Kalkül hinter der Deckung demokratischer und moralischer Kategorien zu verweilen. Keineswegs hatten sie es nötig ihr Wirken in der Form eines plumpen Wahlbetrugs auf öffentlichen Bühnen der politischen Praxis zur Schau zu stellen und dergestalt ihre Rivalität mit den Interessen regulärer Bürger plastisch auszuweisen.

 

An dieser Stelle wird manch ein Leser vielleicht einwenden: Noch nicht!, während er auf die Unmöglichkeit verweist, selbst bei noch so intensiver Forcierung von Zensur, im digitalen Zeitalter ein Monopol auf Information zu statuieren. Mag sein, würde ich skeptisch erwidern, bevor ich ihm die Frage stelle, ob er vor seiner Einschätzung die Senkung des kollektiven Intelligenzniveaus (gerade auch durch das digitale Netz) in Rechnung stellte. Gesetzt aber, meine Skepsis wäre unberechtigt, heißt, die freie Verfügbarkeit der Informationen würde durch diesen Umstand nicht ausgehebelt werden und eine Schranke der Manipulierbarkeit wäre in baldiger Zukunft erreicht: Die Option, Machtinteressen (freilich rechtlich legitimiert) mit staatlichen Gewaltmitteln durchzusetzen bliebe, da die uns subsumierende als Demokratie klassifizierte Herrschaftsform eine Schablone aus der Sparte des Autoritarismus verwendet und sich nur auf linguistischer Ebene von ihm abspaltet, weiter bestehen.

 


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