Perfidie der Menschenfreunde: Ein Plädoyer für mehr Moral

Veröffentlicht am 24. Dezember 2020 um 01:40

Wer ernstlich annahm, die Polarisierung der westlichen Bevölkerung hätte durch die bisherige Politik des Antirassismus oder die Präsidentschaft von Trump bereits seinen Höhepunkt erreicht, den belehrte der Ausnahmezustand anlässlich der ausgerufenen Corona-Pandemie eines Besseren. Derart kindliche Psychen, die sich weigern den Abgrund anzuerkennen, auf den sie sich samt ihrer Mitwelt durch die Strömung des jakobinischen Zeitgeists gesetzmäßig zubewegen, waren sicherlich nicht geringfügig entsetzt als die Verrohung der politischen Kultur, die im Zuge der Einschränkungen bürgerliche Rechte unnachahmlich seine Kreise zieht, immer evidenter wurde. Zunehmend wird diese geprägt von den Einstellungen radikalisierter Immoralisten, nicht wahr? Zum Glück, denken sie, weist das Arsenal des über kulturelle Hegemonie verfügenden ideologischen Blocks der Menschenfreunde eine große Anzahl an pflichtbewussten Akteuren in den unterschiedlichsten Industrien auf, um dieses sich anbahnende Unheil im Keim zu ersticken! Gefügig treibt jeder Naivling, der diese offizielle Perspektive einnimmt, auf den Abgrund zu.

 

Wir Erwachsenen hingegen, die wir nicht vom Idealismus verblendet längst die Schlangen unter den Blumen auf den andächtigen Feldern der politischen Korrektheit entdeckten, können solch Reaktionen des Systems nur mit gereizter Stimmung begegnen. Wer könnte es uns verdenken angesichts der jüngsten Zeugnisse des Doppelstandards und Affronts gegen die Aufrichtigkeit? Das Leiden und Hungern der bedürftigen Menschen in der dritten Welt, dessen Verminderung vor nicht allzu langer Zeit unter humanitären Gesichtspunkt im Kontext der Flüchtlingskrise noch höchste Priorität zu haben schien, wird nun von derselben als Humanitarismus verkleideten Gesinnung durch militante Gutheißung der Corona-Maßnahmen und der damit zusammenhängenden Störung von Ernährungsprogrammen, Behinderung von Versorgungsketten usw. unbeeindruckt eklatant verschärft. Gleich dem kleinen Jungen, der auf die Nacktheit des Kaisers verweist, offenbart Corona an Beispielen wie diesen schnörkellos das Offensichtliche, das Beistehende nicht eingestehen wollen: die Perfidie der moralischen Würdenträger unserer Zeit und damit der in entscheidenden Sektoren zum Konsens gewordenen "antifaschistischen" Skala zur Bewertung von Ansichten und Verhalten überhaupt.

 

Konträr der Stimmen von Dissidenten des aktuelle Wertsystems, führt diese Skala nicht primär zur Unsäglichkeit eines Primats der Moral vor der Qualität, sondern zu dem der Unmoral vor derselbigen. Die von ihnen angeprangerte "Moral" fungiert für gemeingefährliche Menschenfreunde nur als Deckmantel, unter dem die eigentlichen Ursachen ihrer Agitationen und Handlungen (die Schwäche, das Ressentiment, der Hass, die Rache) verborgen bleiben und sodann erfolgsversprechend vollzogen werden können: keine Geschosse werden in dieser verlogenen Epoche ohne humanitäre Rechtfertigung abgefeuert, ob die physischen auf Gebäude und Körper oder die informellen auf Beziehungen und Geister. Jeder, der heute vom Netzwerk der Institutionen protegiert wird und Stellungen mit Einfluss auf die Öffentlichkeit besetzt, gilt in der Hinsicht als verdächtig und muss sich die Frage gefallen lassen, warum er bedacht ist ein Wertsystem zu reaffirmieren, das einerseits die Indifferenz gegenüber unzweideutigem Unheil (verwüsteter Regionen und devastierter Leiber in u.a. Yemen und Lybien, den Ruin unzähliger klein- und mittelständischer Gewerbe oder die Verfolgung von Journalisten), andererseits die Entrüstung gegenüber Trivialitäten (eskalierende Interaktionen von Afroamerikanern mit der Polizei, unerwünschte sexuelle Anzüglichkeiten oder ungehobelte Aussagen von Trump) anstrebt als normiertes Empfinden zu statuieren. Mich erreichte zumindest bislang keine statthafte Rechtfertigung für diesen moralischen Bankrott, weder von den Meinungsmachern selbst noch von ihren Handlangern im privaten und öffentlichen Sektor.

 

Stattdessen diskriminiert der in ihrem Sinne operierende Moralismus des Systems ohne Skrupel gegen jedes Genie der Empathie und emotionalen Intelligenz, nach dem sich die Seelen der regulären Bürger, deren Gutherzigkeit von der Scharlatanerie der offiziellen Menschenfreunde in barbarischer Manier ausgeschlachtet wird, so erbittert unter Abwesenheit des Bewusstseins sehnen. Der Gedanke an die Verletzlichkeit einer jeden einzelnen ihrer Seelenwesen, die sich an ihren unschuldigen Gesichtern abzeichnen, versetzt sein Herz in Raserei und lässt es im Rhythmus eines ausufernden Weltschmerzes pulsieren. Die vom Imperativ des Mitmachens produzierte Waffe der empathischen Performanz, die jede sie als solche entlarvende empathische Substanz ins Abseits gängelt, verwehrt ihm jedoch den Einfluss auf seine Brüder und Schwestern! Seine heilsame Aura und sanftmütige Wesensart trachtet danach sich wie ein Schleier über die Sorgen und das tapfer unterdrückte Weh seiner Mitwelt zu legen und ihr die nötige Wärme unter der Ägide der Kälte des falschen Ganzen zu spenden - doch seine grenzenlose Liebe darf sie nicht erreichen!

 

Kein Wort der Kritik gegenüber dieser tragischen Konstellation von den Dissidenten, obwohl sie dieser Liebe selbst bedürfen. Anstatt anlässlich der Förderung der hierarchischen Spezifik unter der Simulation der Moral, opponieren sie die jakobinischen Menschenfreunde, indem sie die Moral an sich dämonisieren, als würde deren Wesen dem der Moral nicht diametral gegenüberstehen. Vom Prinzip der Wahrheit, Rechtmäßigkeit und Integrität durchdrungen, kann sie unmöglich von den schwachen Naturen beansprucht werden, die sich heutzutage gern als Moralisten inszenieren. Ihre Anliegen, die sie unter dem Licht der Fürsorge platzieren, selektieren sie schamlos nach dem Kriterium der Utilität für identitäre Bedürfnisse. Eher stürzen sie sich auf ein konstruiertes Unrecht als sich einem reellen zu widmen, dass dieses Kriterium nicht erfüllt. Motiviert durch eine, ich berührte es bereits, Ansammlung von als Prinzip einverleibten Infamien im Sinne des Guten (das unwillkürlich als Synonym für die eigene Identität begriffen wird), unternehmen sie ihre Agitationen unter der Flagge der Moral und des Fortschritts. Aus diesem Umstand rührt sie, die selektive Anwendung von "Empathie".

 

Das die Stärke verkörpernde Genie wahrlicher Empathie kennt sie nicht, diese niederen Motive, dieses physiologische Bedürfnis nach Rückhalt und Zugehörigkeit, das durch das zum Instinkt verkommene intrinsische Pochen auf die eigene Identität gestillt wird. Das Gefühl der Unterlegenheit noch nie verspürt, sieht es keinen Bedarf für Manipulation, weder für das Vortäuschen von Eintracht noch für das Säen von Zwietracht. Die derartige Impulse belohnende institutionalisierte Unrechtmäßigkeit, die auf dem Weg aktueller Krisenpolitik eine beispiellose Größenordnung anvisiert und das Rezept für den flächendeckenden Triumph des Gegensatzes seiner Stärke markiert, entzündet die Lunte seines Temperaments, die bis an sein Herz reicht und es Feuer fangen lässt. Der hervorsteigende Rauch durchzieht die Landschaften der Alltagskultur während seines Begehens, in denen die Konsequenzen der tonangebenden Schwäche nicht zu übersehen sind und ihn bis ins Mark erschüttern. Die Antenne des "moralischen" Bewusstseins dieser Schwäche, die nur Frequenzen des gesellschaftlichen Lebens empfängt, die gegen die vermeintlichen Erreger ihres Ressentiments und Hasses in Anschlag gebracht werden können, ermöglichte deren Verderbnis. Im Namen des Vorrangs der eigenen Identität, die keine Rücksicht auf die Realität nimmt, begann sich durch dieserart instinktgewordenen von der Schwäche oft selbst nicht mehr verstandenen >> Humanität als Taktik << die Welt des zivilisierten Menschen, die sich ohnehin schon seit jeher in einer Schieflage befand, auf Kosten des Wohlergehens der Allermeisten vollends auf den Kopf zu stellen: die Schwäche erstrahlte im Licht der Stärke, der Hass in dem der Liebe, die Ideologie in dem der Vernunft, das Schlechte in dem des Guten, die Feindschaft in dem der Solidarität, der Konformismus in dem der Qualität, das Barbarische in dem der Sanftmütigkeit, das Privileg in dem der Leistung, die Niedertracht in dem der Tugend, die Ehrlosigkeit in dem der Ehrbarkeit, das Gehorchen in dem der Courage, die Manipulation in dem der Fairness.

Ob der spiritistische Rauch des Herzens irgendwann als Beschwörer fungieren wird, der sie ausgiebig hervorbringt, die Moral der sozialen Umgebung, um diese Welt nicht nur wieder in die ursprüngliche Position zu wenden, sondern sie gar auf die Füße zu stellen?


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